Lernhilfe
Philip geht nun seit zweieinhalb Monaten in die Schule. Momentan ist sein Unterricht sehr “deutschlastig”, das heißt, dass sehr viel Zeit darauf verwendet wird, Schreiben und Lesen zu lernen. Meine Grundschulzeit liegt nun um die 30 Jahre zurück und der Unterricht hat sich stark verändert. Frontalunterricht gibt es kaum noch. Stattdessen haben die Kinder Arbeitshefte, in denen sie in der Schule sehr viel Zeit mit sogenanntem “Freien Arbeiten” verbringen. Der Lerneffekt ist dadurch sicher größer. Gleichzeitig ist diese Form des Unterrichts aber auch anstrengender, weil man nicht einfach mal abschalten kann. Das größte Problem sehe ich darin, dass die Kinder Arbeitshefte haben, die sie mit unterschiedlicher Geschwindigkeit bearbeiten. Während das eine Kind bereits auf Seite 40 schwierigere Aufgaben löst, ist das andere Kind erst bei Seite 25 angekommen. So rennt die Lehrerin von Kind zu Kind, um diesem jeweils die Aufgaben erst einmal zu erklären. In Elternforen im Internet wird zudem an dieser Form des Unterrichts kritisiert, dass dadurch bereits von Anfang an ein entsprechender Druck auf die Kinder aufgebaut wird. Jedes Kind weiß wo das andere im Arbeitsheft bereits angekommen ist und kann sich vergleichen. Wobei schnell und schlecht natürlich nicht unbedingt besser sein muss als langsamer und gut. Heutzutage scheint mir aber eher schnelles Arbeiten gefragt zu sein.
Ich sehe das alles durchaus kritisch. Da das Kind stärker auf sich alleine gestellt ist (womit nicht jedes Kind zurecht kommt), wächst auch die Verantwortlichkeit der Eltern. Das Kind einfach “nur” in die Schule zu schicken, funktioniert bei den meisten Kindern vermutlich nicht. Das bedeutet im Ergebnis eine Verlagerung von schulischen Aufgaben auf die Eltern, weil viele Kids alleine überfordert wären. Ich bin fest davon überzeugt, dass Philip problemlos eine Woche krank sein und von mir oder meiner Frau zuhause betreut werden könnte, ohne dass dies negative Auswirkungen auf seinen Lernstand hätte. Das hat Vor- und Nachteile. Die Vorteile hat man sicher dann, wenn man sich die Betreuung des Kindes materiell leisten kann (in der Zeit, in der ich mich um mein Kind kümmere, kann ich kein Geld verdienen). Leider sind nicht alle so privilegiert. Bei vielen Jobs kommt am Ende einfach nicht mehr genug heraus, um in einer Familie nur von einem Gehalt leben zu können. Muss der andere Elternteil auch noch (teilzeit)arbeiten und hat einen langen Fahrweg, geht das zwangsläufig von der Betreuungszeit ab. Hat man dann nicht nur ein Kind, schränkt das die Möglichkeiten noch weiter ein, sein Kind schulisch zu unterstützen.
Ist das Kind “superschlau”, ist es egal wie viel Zeit die Eltern für das Lernen haben, weil es auch so zurecht kommt. Ist es wie die ganz überwiegende Mehrzahl (zu der auch ich gehöre) nur “normal begabt”, sind seine Chancen sehr stark davon abhängig, ob sich die Eltern die Unterstützung ihrer Kinder zeitlich (das heißt indirekt eben materiell) leisten können. Dadurch sind die Chancen von Kindern wirtschaftlich besser gestellter Eltern von vornherein günstiger. Selbst wenn der Lehrer ansonsten völlig objektiv wäre.
Uaaah. Mir gruselt’s. (!)
Ohne nun zum Kranksein zu gehören, halte ich auch so zu intensive Mithilfe durch die Eltern für fatal, denn die können das Kind nicht die volle Schulzeit und erst recht nicht danach im Lernen unterstützen. Auch mit zuviel Nachhilfe… ach… welch umfangreiches Thema.
Oh, vergessen. Ich habe eine neue URL.